Erneuerbare Energien

 
 



Energie sparen rentabler als Geldanlage

 
 


Informationsabend:
Zwei Experten referieren bei Freien Wählern in Fürth über den Einsatz erneuerbarer Energiequellen

24.04.2009
im Starkenburger Echo
von Brigitta Schilk


LÖRZENBACH
Der Informationsabend zum Thema „Effiziente Energienutzung“ interessierte überwiegend ältere Hausbesitzer, nur wenig jüngere Besucher waren in das Gasthaus „Zur Eintracht“ nach Lörzenbach gekommen. Eine Arbeitsgruppe der Freien Wählergemeinschaft Fürth (FWG) hatte die Bildungsveranstaltung organisiert. AG-Mitglied und Energieexperte Thomas Unrath, der zur Energiekommission der Gemeinde Fürth gehört, freute sich über das rege Interesse. Er verknüpfte den Abend mit der ersten Veranstaltung der AG zu „effizientem Heizen“ im Januar 2008, die bei den Bürgern gut angekommen war.

Diplom-Ingenieur Bernd Müller vom Solar- und Energie-Beratungszentrum in Heppenheim (SEBZ) vermittelte einen Einblick in die autarke Energieversorgung für Gemeinden und zeigte Handlungsmöglichkeiten für Menschen auf, die ihre Häuser sanieren und mit weniger Energiekosten betreiben wollen. Er verstand es, die existenziellen Gründe – der Klimawandel und die Energiepreise – für einen Umstieg auf erneuerbare Energien mit einprägsamen Bildern deutlich zu machen und für ein notwendiges Handeln zu werben.
Müller betonte eindringlich: „Wir sind gezwungen, etwas zu tun, da sich die Lage zuspitzt“. Er bemerkte, dass wir wohl keine Wahl hätten, jedoch sehr wohl die Techniken, um Energie zu sparen und die erneuerbaren Energien zu nutzen. Derzeit verschleudern die zentralen Großkraftwerke mit ihrer Abwärme zwei Drittel der Energie, nur ein Drittel fließt in die Stromerzeugung, kritisierte Müller. Eine dezentrale Gebäudeheizung verzeichne einen Verlust von zehn Prozent. Er erklärte, eine Photovoltaikanlage von 32 Quadratmetern reiche aus, um einen Haushalt mit drei Personen mit Strom zu versorgen.

Eine Windkraftanlage mit 1,5 Megawatt erzeuge den Strom für 1000 Vier-Personen-Haushalte, rechnete Müller weiter vor. Ein Dorf mit 4000 Einwohnern brauche also nur eine Windkraftanlage, um sich selbst mit Energie zu versorgen. Um Engpässe bei Wind und Sonne auszugleichen, könne mit Biomasse Strom erzeugt werden. Müller stellte mehrere Beispiele von Gemeinden vor, die Selbstversorgung erfolgreich umgesetzt haben.
Eine wichtige Aufgabe der Gemeinde bei der kommunalen Energieversorgung sei, die Bürger davon zu überzeugen, dem Nahwärmenetz beizutreten, damit es rentabel werde. Für den Heppenheimer Stadtteil Sonderbach werde derzeit ein Konzept erarbeitet, um sich zukünftig zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien selbst zu versorgen.

Müller informierte auch über die Energieeinsparverordnung (EnEV), die seit 2009 gilt. Mit ihr wurden neue Regeln für Neu- und Altbauten festgelegt. Mit einer besseren Dämmung sollen 15 Prozent Energie und mehr eingespart werden, der Gesamtenergieverbrauch soll um 30 Prozent gesenkt werden. Bisher wurden die Anforderungen der EnEV nicht überwacht, ab diesem Jahr sollen die ausführenden Unternehmen und Schornsteinfeger eine solche Funktion erhalten.
Weiter ging Müller auf die Energiepässe ein, die Mietern und Käufern von Immobilien einen Anhaltspunkt über die Höhe der Heizkosten geben sollen. Eindrucksvoll zeigte Müller rechnerisch auf, dass für die Altersvorsorge Energiesparmaßnahmen rentabler sind als eine Geldanlage. Eine Dachbodensanierung bringt über 30 Jahre 14 Prozent Zinsen, eine Fassadendämmung mit 14 Zentimetern Dämmstärke, wenn die Außenwand ohnehin neu gestrichen werden soll, 9,5 Prozent und eine komplette Außenwanddämmung immerhin noch 6,2 Prozent.
Wenn sich Hausbesitzer zu Modernisierungsmaßnahmen entschließen, erhalten sie über die Förderprogramme der KfW und des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) finanzielle Unterstützung als zinsgünstigen Kredit oder als Zuschuss. Der Staat fördert neben Solarthermie und Biomasseheizungen auch Wärmepumpen und viele weitere Effizienztechniken, darunter auch die Photovoltaikanlagen. Müller gab den Rat, bei einer umfassenden Sanierung eine Baubegleitung heranzuziehen, die berät, plant und die Maßnahmen begleitet. Die Praxis habe gezeigt, dass Angebote nicht vergleichbar seien, wenn den Handwerksbetrieben keine Ausführungsbeschreibungen vorliegen. Die Baubegleitung werde mit 50 Prozent gefördert. Für detaillierte Informationen und individuelle Beratung stehen die Berater des SEBZ zur Verfügung, teilte Müller abschließend mit.

Eine Frage aus dem Publikum drehte sich um das Auf und Ab bei den Pelletspreisen. Müller berichtete, dass dies nicht an der Knappheit der Pellets liege, Ursache sei vielmehr die Aufteilung, wann wie viel auf den Markt komme. Derzeit fehlten die Holzabfälle der Baubranche, da diese derzeit eine Flaute erlebe, so dass weniger Pellet produziert würden. In der Folge sei der Preis gestiegen. Er ergänzte, dass die Pelletskessel die erste Stufe der Feinstaubverordnung einhalten, erst bei der zweiten Stufe werde die Nachrüstung mit Filtern erforderlich werden.
Eine Fülle von Informationen übermittelte der Anwendungstechniker Guido Laufenberg von der Firma Weber/Maxit aus Ludwigshafen bei seiner Präsentation des Wärmedämmverbundsystems. Zunächst präsentierte er einige Fakten zum Thema Klimawandel. Dann stellte er die Materialien vor, aus denen die verschiedenen Dämmplatten bestehen und ihre Herstellungsweise. Zuletzt präsentierte er die neue Hochleistungsdämmplatte, die mit neun Zentimetern Dämmstärke den gleichen Nutzen bringe, wie eine herkömmliche mit Zentimetern Dämmstärke. Neben dem Flächengewinn nannte er weitere Vorteile wie eine schlanke Konstruktion, schmalere Fensterbretter, geringere Dübellänge und das bei Altbauten der vorhandene Dachüberstand ausreiche.


 
 


Bilder der Präsentation
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