Reportage

 
 



Das alte Einhaus soll erhalten werden
 
 


Geschichte: Agiler Heimatforscher begeistert sein Dorf für Museumsprojekt des Kultur- und Museumsvereins Bonsweiher

6.08.2011
im Starkenburger Echo
von Brigitta Schilk

 

Das Einhaus-Projekt wollen die Mitglieder des Kultur- und Museumsvereins nun intensiv angehen. Heiko Lorenzen, Heike Zugck, Walter Winkler, Simone Hofmann und Brigitta Schilk (von links) gehören zu den engagierten Mitstreitern. Im September ist dann auch erstmals die Bevölkerung ins Einhaus eingeladen.

Foto: Evi Church

 


BONSWEIHER.
Staub, Spinnweben, abfallende Tapeten, lose PVC-Teile am Boden und in einigen Räumen uralte Kartons, Kisten, Eimer: Das begegnete dem Vorstandsteam des Kultur- und Museumsvereins Bonsweiher (KuM), als es jüngst das Einhaus im Alten Weg unweit des geschichtsträchtigen Steinbruchs besichtigte. Noch scheint es schwer vorstellbar, dass hier am 10. und 11. September die Bonsweiherer Bevölkerung und an der Lokalgeschichte Interessierte Museumsstücke, Bilder und Filme des zukünftigen Dorfmuseums anschauen können.
Der Heimatforscher und stellvertretende Vorsitzende Heiko Lorenzen fragte in die Runde: „Packen wir das an?“ Die beiden Museumstage sind ein kleiner Meilenstein auf dem Weg zum Museumsprojekt – einem dreiteiligen Museum in der alten Schule, im Einhaus und im Steinbruch „Im Gründchen“. Dazu kommt noch der Museumspfad zwischen Bonsweiher und der Juhöhe.

Im Oktober 2010 zeigte Karl Deschl der Arbeitsgruppe Geschichte das Haus im Alten Weg 1, in dem er als Kind gewohnt hatte. Bis Ende der siebziger Jahre wohnten dort seine Großeltern. Eine kurze Vermietung über fünf Jahre folgte, seitdem steht das Haus leer und ist in einem Zustand, wie im Dorf einst viele Menschen wohnten.
Das Einhaus verbindet traditionell Wohnen und Tierhaltung mit Ziegen im Erdgeschoss, einem Schweinestall und Hühnern im angebauten Hühnerstall. Der Wohnbereich besteht aus einer „guten Stube“, einer Küche mit Ausgang zum Garten und dem Schlafzimmer im Dachgeschoss. Der Schweinestall und ein alter gemauerter Backofen sind im rückwärtigen Wohnbereich angebaut. Gegenüber befindet sich eine in den Hang hinein gebaute Speisekammer. Die Toilette liegt außerhalb des Hauses.
Eine Besonderheit des Einhauses ist das fließende (Bach-) Wasser, das vom Wolfertsbach abgezweigt wird. In einem Rohr fließt es in ein Becken im Schuppen. Das Wasser war wichtig zur Kühlung von Nahrungsmitteln und als Trinkwasser für Mensch und Tier.
Wenn das Einhaus Teil des Museums wird, stehen dem zukünftigen Museum mehr Präsentationsflächen zur Verfügung, und es bietet sich die Möglichkeit, die gesamte Lebenssituation der Steinhauerfamilien um 1900 (Wohnen-Arbeiten-Schule) darzustellen. Das Einhaus eignet sich hervorragend für erlebbare Geschichte: Mit thematischen Erlebnistagen – Backen, Vorratshaltung, Ziegenhaltung, Handwerken – wie vor rund 100 Jahren erfahren Kinder, Jugendliche und interessierte Erwachsene, wie anders das Leben damals war.
Um den KuM und dessen Projekte in Bonsweiher bekannter zu machen, besuchte der Heimatforscher 110 ihm bekannte Familien im Ort in einem Zeitraum von zwei Monaten. Er stellte ihnen das dreiteilige Museumskonzept anhand einer 72 Seiten umfassenden, farbigen Broschüre vor. Sie enthält rund 180 Bilder und Grafiken zu den drei Standorten und zu den dort zukünftig gezeigten Exponaten, ebenso von Örtlichkeiten und Naturdenkmälern entlang des Museumspfads.

Einige im zukünftigen Multimediaarchiv präsentierten historischen Karten und Fotos zeigte er ebenso. Die Besuche führten zu lebhaften Diskussionen im Dorf über den Verein und das Museumsprojekt. Lorenzens „Tingeltour“ diente unter anderem dazu, herauszufinden, ob die Mehrheit der Bevölkerung an der Realisierung des Museumsprojekts interessiert sei.
Lorenzen wollte überdies neue Mitglieder für den KuM gewinnen – was er erreicht hat: Inzwischen ist der Verein von 40 auf 120 Mitglieder angewachsen. Dreißig- bis Vierzigjährige, Ehepaare, selbst Hochbetagte sind Mitglieder geworden, auch etliche Kinder. Mit diesem Rückhalt im Dorf bemüht sich der KuM als Projektträger darum, dass die Gemeinde das Einhaus erwirbt und es ein Museum werden kann.

Bei seinen Besuchen ermunterte Lorenzen auch etliche Bonsweiherer, selbst für das Museum oder vorbereitende Aufgaben aktiv zu werden und notierte alles auf seiner Besuchsliste. Mit seiner Begeisterung steckte er viele Bonsweiherer an.
Weit über Bonsweiher hinaus ist inzwischen bekannt, dass dort engagierte Heimatforscher im KuM Bücher, Alltags- und Arbeitsgegenstände aus alten Zeiten zusammentragen. Ebenso hat Lorenzen über zehn Meter Bücher des verstorbenen Heimatforschers Klaus Zenner aus Reisen vorübergehend bei in seinem Keller eingelagert.
In den kommenden Wochen machen die KuM-Mitglieder die Räume begehbar, damit die Besucher am 10. und 11. September (Samstag/Sonntag) schon einmal am Einhaus ihre Freude haben. An diesen Tagen gibt es dort Ausstellungen zum zukünftigen Dorfmuseum mit Führungen durch das Haus sowie Kaffee und Kuchen

Kontakt
Heiko Lorenzen, Telefon 06209 1739
Internet: www.kum-bonsweiher.de.



 
 


Vom Konzept zum Dorfmuseum

Projekt:
In Bonsweiher soll anhand dreier Lebensorte Geschichte veranschaulicht werden

6.08.2011
im Starkenburger Echo
von Brigitta Schilk

Alte Geräte lagern derzeit noch im Bonsweiherer Einhaus. Der Kultur- und Museumsverein will das Haus instandsetzen, um es – in Form eines Museums – zu erhalten. Foto: Evi Church

 


BONSWEIHER.
Das Museumsprojekt in Bonsweiher nimmt erkennbare Formen an: Wie im Konzept vorgesehen, macht Heimatforscher Heiko Lorenzen auf einer Zeitachse ab dem Jahr 2000 vor unserer Zeit – den Schnurkeramikern – bis heute zwei Querschnitte, um die Lebensverhältnisse in Bonsweiher um 1900 und um 1950 darzustellen.

Anhand von drei Lebensorten im Original – der Alten Schule (erbaut 1880), dem Einhaus im Alten Weg 1 (1880) und dem Steinbruch (eröffnet um 1900) – will Lorenzen die Lebenssituation zwischen 1900 und 1920 sowie um 1950 mit all ihren Facetten zeigen: In der Schule den Schulalltag und das Vereinsleben in Feuerwehr, Gesang- und Sportvereinen. Im Einhaus den Alltag mit Selbstversorgung, im Steinbruch die Arbeitssituation. Ein zweiter Aspekt der Arbeitsgeschichte wird im kleinen Ledermuseum gezeigt. Multimediavorführungen ergänzen laut Konzept die Objekte.
Lorenzen ist es ein Anliegen, die Umbrüche Anfang des vergangenen Jahrhunderts zu vermitteln. Angespornt hat Lorenzen der hessische Museumsverband, der für eine mögliche Förderung die Sammlung mit allen Exponaten aufgelistet und beschrieben haben will – ebenso wie ein griffiges, einmaliges Museumskonzept.
Wenn die alte Schule und das Einhaus saniert sind, die Granitgebäude beim Steinbruch unter Denkmalschutz stehen und wieder hergerichtet sind, dann präsentiert Bonsweiher damit eine Jahrhunderte übergreifende Geschichte. Die Frühgeschichte belegen die Zeugnisse der Schnurkeramiker auf der Lee, aber auch mehrere Römersteinbrüche im vorderen Odenwald.

Die Kulturgeschichte wird lebendig durch die anschauliche Darstellung der dörflichen Wohn- und Lebenssituation, des Vereinslebens, der Feste und Bräuche. Die Industrie- und Handwerksgeschichte wiederum wird gezeigt anhand der Erwerbsquelle Steinhauerei (1880 bis 1975) oder der Lederindustrie (1950 bis 1975). Nicht zuletzt erwacht in der alten Dorfschule (1880-1976) die Schulgeschichte zu musealem Leben. Im Bereich Sozialgeschichte werden die Auswirkungen der Weltkriege auf das soziale Leben aufgezeigt, ebenso die Entwicklung der Feuerwehr.
Ein Rundweg soll durch Bonsweiher von der Alten Schule (Schul-, Feuerwehr- und Ledermuseum) zum Einhaus (Küche, „gute Stube“, Stallungen um 1900, Wohnzimmer um 1960, Museumsraum „Schnurkeramiker“, Museumsraum „Steinhauerei“) und weiter zum Steinbruch „Im Gründchen“ (Arbeitsplätze um 1900, Schmiede) führen. Der Museumspfad soll überdies weitere Epochen umfassen und vom Steinbruch aus parallel zum Naturerlebnispfad zu 20 Stationen führen.