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Tradition –
Wahl-Odenwälder berichten von den weihnachtlichen Traditionen ihrer
Heimatländer
24.12.2011
im Starkenburger Echo
von Brigitta Schilk
Eine Apfelpyramide ziert während der Raunächte
den Tisch eines Mörlenbacher Ehepaars, das seit einigen Jahren statt
Weihnachten die Wintersonnenwende feiert.
Foto: Brigitta Schilk
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ODENWALD.
Alle Jahre wieder leben in Deutschland mit Beginn der Adventszeit die
unterschiedlichsten Weihnachtsbräuche auf. Tannengrün und Nikoläuse
prägen das Bild, ebenso Kerzenschein und Lichterketten. In den Familien
werden Plätzchen gebacken, und bis kurz vor Heiligabend locken Weihnachtsmärkte.
Doch welche Bräuche pflegen zu Weihnachten Menschen, die in einer
anderen Kultur oder Religion beheimatet sind?
Der Musiker und Chorleiter José Rodriguez, der heute in Rimbach
lebt, wuchs in Spanien auf. Dort gibt es anderes Weihnachtsgebäck,
und auch sonst ist einiges anders: „Das große Weihnachtsgeschäft
ist am 6. Januar, da ist der Gipfel der Feiertage.“ Dann beschenkt
man sich auch gegenseitig. Zwischen den Jahren zog José Rodriguez
als Kind mit anderen Kindern von Haus zu Haus. Sie sangen „Villancicos“
(Weihnachtslieder), die sie mit Zambomba – einer topfartigen Trommel
–, Gitarre und Tamburin begleiteten.
Ein Brauch, den José Rodriguez jedes Jahr an Silvester noch zelebriert,
ist, zu den zwölf Glocken¬schlägen um Mitternacht zwölf
Weintrauben zu essen: Das soll Glück und Harmonie bringen. Zu dem
Brauch geführt haben soll um das Jahr 1880 eine Überproduktion
an Weintrauben.
Der Sozialpädagoge Ed Steenkist (Fürth) aus den Niederlanden
und seine Eltern reisten in seiner Kindheit immer wieder mit dem Wohnwagen
in den Odenwald. Geschenkezeit ist in den Niederlanden schon am 5. Dezember.
Es ist das größte Kinderfest. Sankt Nikolaus, der Bischof aus
Myra, kommt mit „Zwarten Piets“ (Mohren). Zu jedem Geschenk
wird etwas Persönliches gebastelt, und für jeden gibt es ein
eigens geschriebenes Gedicht.
Steenkist erinnert sich, wie es schön es war, zu sehen, wie die anderen
reagieren. „Schenken, selber etwas Persönliches herzustellen,
war ganz wichtig.“ Weihnachten ist auch in seiner Heimat ein Familienfest.
Der Tag wird zusammen verbracht, Truthahn ist ein beliebtes Weihnachtsessen.
Heute feiert er nach der deutschen Tradition Weihnachten.
Ein Ehepaar aus Mörlenbach, das namentlich nicht genannt werden möchte,
feiert seit Jahren statt Weihnachten die Wintersonnwende. Wenn es irgendwie
möglich ist, machen sie in der längsten Nacht des Jahres ein
Feuer im Garten oder besuchen einen kulturhistorischen Platz. Sie singen,
trommeln und verbrennen Räucherwerk.
Beide beziehen sich auf eine alte Tradition, in der die Wiederkehr des
Lichtes in diesen Nächten gefeiert wird. Ein Christbaum steht demnach
nicht in ihrer Wohnung. Dafür aber während der Raunächte
– den zwölf Nächten vom 25. Dezember bis 6. Januar –
eine Apfelpyramide auf dem Tisch. Die Apfelpyramide wird aus sechs Holzstöcken
und vier Äpfeln zusammengesteckt. Auf den liegenden Stöcken
werden Kerzen angebracht, ebenso auf dem Apfel an der Spitze. In der Mitte
der Pyramide liegen Tannengrün, Nüsse und Strohsterne.
Seit 20 Jahren lebt die Irin Lorna Dooley in Deutschland. Die Gesangslehrerin
und Musikerin hat sich ans deutsche Weihnachtsfest angepasst. „Ich
habe einen kleinen Glasfaserbaum, richtig kitschig in verschiedenen Farben
leuchtend und mit vielen Kerzen.“ In Irland kommt Santa Claus in
der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember. Kleinere Geschenke für die
Kinder werden in Socken an den Kamin gehängt oder auf das Bett gelegt.
Größere Sachen werden bereits zwei Wochen vor dem Fest unter
den geschmückten Weihnachtsbaum gestellt.
Ein bosnisches Ehepaar aus Fürth hat sich an die Weihnachtskultur
hier angepasst. Sie haben einen Baum im Garten, den sie kurz vor Weihnachten
schmücken und packen Päckchen für Freunde. Die Bosnierin
meint: „Ich stehe mit einem Fuß da und mit dem anderem Fuß
dort als Religionslose. Im Kommunismus gab es kein Weihnachten und kein
Ostern.“ Im ehemaligen Jugoslawien wurde an Silvester gefeiert:
„Wir schmückten einen Baum, und am Nachmittag kam Väterchen
Frost wie hier der Nikolaus oder der Weihnachtsmann und brachte Geschenke.“
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Andere Länder, andere Sitten
Glaube – Der Inder, Moslem und Mörlenbacher Sarver Ali beschenkt
zu Weihnachten seine Kinder und Kunden
24.12.2011
im Starkenburger Echo
von Brigitta Schilk |
ODENWALD.
Die thailändische Masseurin Kanya Eberle und ihre Tochter Thitisa
Thawsrisuban gehören der buddhistischen Gemeinde Frankfurt an. Sie
leben seit 13 Jahren im Odenwald.
In ihrer Religion gibt es kein Weihnachten, doch als die Kinder klein
waren, gab es einen Weihnachtsbaum in der Familie. Nun feiern sie Weihnachten
als ein Familientreffen bei der väterlichen Familie.
Im thailändischen Buddhismus gibt es am 13. April das Neujahr-Wasserfest:
Dabei schenken die erwachsenen Kinder ihren Eltern Wasser mit Blumenduft,
wünschen ihnen Gesundheit und Glück und übergeben Geschenke
wie Kleidung oder Gebrauchsgegenstände. Im Buddhismus sind Geburts-,
Erleuchtungs- und Sterbetag Buddhas Feiertage. Gläubige suchen dann
zum Gebet die Tempel auf. Thitisa empfand als Kind die Winterzeit etwas
Besonderes mit dem Schnee, der Kälte und der Dunkelheit. Inzwischen
hat sie sich daran gewöhnt. Als Buddhistin findet sie es schön,
dass die Menschen sich gegenseitig etwas schenken. „Nervig ist nur,
dass die ganzen Städte voll sind und Hektik herrscht.“
Der Inder Sarver Ali schenkt an seinen Kunden in seiner Änderungsschneiderei
blinkende Weihnachtsmützen. Er ist Moslem und sagt mit strahlenden
Augen: „Wir feiern mit den anderen Religionen, ob Buddhisten oder
Christen, mit.“ Ältere Damen bringen ihm in sein Geschäft
kleine Geschenke, und seine Kinder erhalten auch Geschenke. In der islamischen
Tradition ist das Schenken eigentlich mit dem Fastenmonat Ramadan verbunden,
wenn Geschenke und Geld an arme Leute verteilt werden.
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